„Ein Jahr Corona“ Interview mit Dr. Susanne Stöckl-Gibs

Sehr interessantes Interview mit Psychotherapeutin und Spirit Healer Dr. Susanne Stöckl-Gibs zur aktuellen Situation, wie man gestärkt durch Krisen geht, Infos für besseren Schlaf und vieles mehr. Unbedingt lesen!


Jetzt befinden wir uns schon seit einem Jahr in einer außergewöhnlichen Situation, manche Menschen finden sich schon sehr schwer damit zurecht, wie geht es Ihnen?

Ich fragte und frage mich immer wieder nach dem Sinn dieser Situation, habe für mich Antworten gefunden, die ich niemandem anderen aufdrängen mag. Jeder kann sich selbst diese Frage nach dem Sinn stellen. Ich bin auch manchmal zornig über die Einschränkungen der Grundrechte, sorgenvoll über die existenzbedrohenden Arbeitsverbote für viele Kleinunternehmer, Künstler und Ein-Personen-Unternehmen, über die Einseitigkeit der medialen Berichterstattung, besorgt über die seelischen und körperlichen Langzeitfolgen für Kinder und Jugendliche usw. Wenn es mir gelingt, die Sinnfrage zu stellen und für mich zu beantworten, gewinne ich Distanz und Handlungsfähigkeit

Wie halten Sie sich geistig und körperlich fit?

Körperlich durch Wanderungen oder zumindest ausgiebige Spaziergänge mehrmals wöchentlich. Viele tägliche Wege mache ich mit dem Rad. Yoga, Gezielte Kräftigungsübungen. Geistig: Ich arbeite zweimal wöchentlich in meiner Praxis, nehme an Fortbildungs- und Diskussionsveranstaltungen per Video teil, lese viel, höre viel Musik, meditiere regelmäßig. Mache auch vieles, wofür früher kaum Zeit war: Zeichnen, Basteln, Stricken. Tagebuchnotizen.
Zweimal täglich warme Mahlzeiten, frisch gekocht, genügend Schlafen, ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel ( Vitamine, Mineralstoffe)

Informieren Sie sich mehrmals täglich in den Medien über das C-Thema, oder was halten sie für ein vernünftiges Maß an Nachrichten?

Ich schaue mir etwa alle ein, zwei Tage die ORF-News am Laptop an. Manchmal höre ich die Nachrichten im Radio. Das reicht, um informiert zu sein.
Alles andere ist viel zu viel. In den Medien herrscht, nicht nur jetzt, Daueraufregung, denn Medien brauchen ja schlechte Nachrichten, um konsumiert zu werden. Es herrscht der bekannte Grundsatz: „Only bad news are good news“ Der Mensch reagiert evolutionsbedingt aufmerksam auf Aufreger. Medienhygiene, sorgsamer und auswählender Umgang mit allen Medien, auch den sog. Sozialen Medien ist absolut notwendig und zwar immer. Bilder prägen sich stärker ein als Gehörtes und Gehörtes stärker als Gelesenes.

Viele Menschen schlafen schlecht, aus den verschiedensten Gründen, Sorgen, Stress etc, haben Sie Tipps für uns, wie wir unsere Schlafqualität verbessern können?

Stress haben die Menschen auch schon vor Corona gehabt, aber aus anderen Gründen. Meist weil von außen zuviel verlangt wird oder weil man von sich selbst zuviel verlangt. Sorgenmachen bedeutet im Kreis denken, immer wieder über dieselben Themen grübeln. Man kann aussteigen, indem man sich dazu zwingt, sich immer wieder zu fragen: Was ist, wenn …. ( das und das, was ich befürchte, eintritt)? und sich die Frage selbst beantwortet. So kann man seine Ängste mit der Zeit beherrschen lernen. Zuviel Bildschirm ( TV, Mobiltelefon, Computer) stört den Schlaf, daher mindestens eine Stunde vor dem Schlafen abdrehen. Wechselfußbad ( kalt-warm), letzte Mahlzeit spätestens drei Stunden vor dem Schlafengehen, kein Alkohol abends. Fernseher, Computer raus aus dem Schlafzimmer, Mobiltelefon und WLAN nachts abdrehen. Wenn Sorgen den Schlaf verhindern: aufschreiben, mit dem Gedanken “Ich kümmere mich morgen darum, jetzt kann ich ohnehin nichts tun“.Nicht im Bett bleiben, wenn länger als eine Viertelstunde schlaflos, sondern aufstehen, einer manuellen Tätigkeit nachgehen, kommt das Gähnen, wieder hinlegen. Hilft alles nichts, bei einem der vielen Sorgentelefone (z.b. Caritas, Wiener Landesverband für Psychotherapie, Corona-Sorgenhotline )anrufen.

Was ist für Sie in Ihrer täglichen Routine unverzichtbar?

2 frisch gekochte warme Mahlzeiten, morgens das klassische Sonnengebet und ein kleines Schutzritual, abends ein Dankritual und ein Gebet.

Haben Sie Tipps für uns, wie wir uns in dieser Krise stärken können?

Sinnfrage stellen, dankbar sein ( und zwar wirklich!) für das, was wir haben, anstelle zu beklagen, was uns abgeht. Angst und Wut engen unsere Sicht ein, hilfreich ist, immer wieder Distanz zum Geschehen rundherum zu bekommen.
Ein Sprichwort aus dem indischen Kulturkreis lautet:“ Die Lebensspanne bleibt die Gleiche, ob Du sie lachend oder weinend verbringst“ Krisen haben den Sinn, daß wir uns neu orientieren, auch das bedeutet für jeden eine individuelle Herausforderung. Das geht übrigens nicht von heute auf morgen, sondern nur Schritt für Schritt, einen Tag nach dem anderen.

Gibt es etwas, was Sie uns noch gerne sagen möchten?

Sehr hilfreich sind für mich die Thesen Viktor Frankls geworden, des bekannten Psychotherapeuten und Begründers der Existenzanalyse. Er hat das Buch “Und trotzdem Ja zum Leben sagen“ geschrieben, seinen persönlichen Weg vom KZ- Gefangenen zum weltweit angesehenen Arzt und Sinnlehrer. Er spricht von der Leistungs-, der Liebes- und der Leidensfähigkeit des Menschen als dreier Säulen, auf denen sich der Lebenssinn stützt. Mit Leistungsfähigkeit meint er, daß wir sensibel erspüren mögen, welche Handlungen in unserem Umfeld notwendig sind, und jeder aufgerufen ist, sich mit seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Welt einzubringen. Liebesfähigkeit bedeutet, Zuwendung und Kooperation zu leben, Konkurrenz zu reglementieren, gegen Misstände im persönlichen Umweld mutig aufzutreten aus Wertschätzung gegenüber dem Menschen und der Welt.
Leidensfähigkeit bedeutet zu allem Schicksalhaften kraft unserer geistigen Dimension Stellung beziehen und nicht daran verzweifeln. Wir haben immer die innere Freiheit, wie wir uns zu den äußeren Dingen stellen und sind in der Lage, zu verzichten, loszulassen, zurückzustehen, Rücksicht zu nehmen und Leid in Leistung zu verwandeln. Mehr davon finden Interessierte auf http://www.franklzentrum.org/logonews.

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